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Hearsafe hört zu: Walter Trout (USA) im Interview

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Veteranenbesuch: John Mayall mit Produzent Eric Corne und Walter Trout © Marie Trout

14 Songs, 14 hochkarätige Gäste: Der Bluesgitarrist Walter Trout hat für sein neues Album We’re All In This Together Freunde um sich geschart und feiert die Freude an der Musik. Denn der 66-Jährige hätte eine schwere Erkrankung vor ein paar Jahren fast nicht überstanden und musste sich mühsam zurück ins Leben kämpfen. Mit Erfolg: Diesen Monat kommt er in Deutschland auf Tour.


Walter, wie kommt es, dass Größen wie Kenny Wayne Shepherd, Warren Haynes, John Mayall, Robben Ford und Edgar Winter auf deinem Album spielen?

Nach meiner letzten Platte Battle Scars vor zwei Jahren, die ziemlich emotional ausgefallen ist, wollte ich diesmal einfach nur Spaß haben. Die Leute sollten am Ende der Scheibe ein Lächeln im Gesicht tragen. All die Gäste sind Freunde, mit denen ich schon öfter Gigs gespielt habe. Zum Beispiel war ich mal mit Kenny Wayne und Edgar in der Carnegie Hall in New York. Als wir da so rumsaßen, habe ich in die Frage in die Runde geworfen, warum wir nicht mal was zusammen aufnehmen. Beide waren sofort dafür. In Toronto habe ich Sonny Landreth und Randy Bachman den gleichen Vorschlag unterbreitet, und auch sie waren Feuer und Flamme. Ein andermal saß ich mit Warren Haynes und Robben Ford in einem Restaurant… Immer wenn ich meinen Kollegen über den Weg gelaufen bin, wurde die Liste länger. Also musste ich das irgendwann durchziehen.

 

Walter Trout mit seinem Sohn Jon, mit dem er das Titelstück geschrieben hat © Doug Hounsell

Im Titelstück „We’re All In This Together“ spielt Joe Bonamassa. Allerdings hatte er für die Session nur drei Stunden Zeit. Das gab ein bisschen Druck, oder?

Durchaus, und es sollte ja auch gut werden! Allerdings haben wir die Nummer auch nur einmal gespielt, ohne Probe. Wir haben aufgebaut, die richtigen Sounds eingestellt und besprochen, was in dem Stück passieren soll –  und dann ging es los. Danach haben wir uns nur angesehen und waren uns einig, dass kein zweiter Versuch nötig ist. Joe hatte eine seiner wunderschönen Les Pauls dabei, einen Fender Twin-Amp von 1956 und einen Fender Twin-Reverb. Mehr hat er nicht gebraucht. Ihr hört genau das, was spontan im Studio passiert ist. Das war’s. Wir haben noch ein bisschen geredet und etwas gegessen, dann war er weg.

 

Wenn du dir verstorbene Musiker für einen Gastauftritt aussuchen könntest, wer würde das sein?

Oh, das kann ich euch genau sagen: Paul Butterfield, Michael Bloomfield und Jimi Hendrix!

 

Dein Sohn Jon spielt ebenfalls mit, und zwar auf der ersten Single „Do You Still See Me At All“. Vorher hat man von ihm noch nicht viel gehört. Was macht der Junge denn sonst?

Jon ist 24 und spielt mittlerweile in meiner Band. Bei US-Shows agiert er außerdem als Tourmanager. Und den Song haben wir zusammen geschrieben! Von ihm stammt das Gros der Lyrics, die Musik kommt von mir. Das ist das erste Mal, dass wir gemeinsam im Studio aufgenommen haben, vorher war Jon auf meiner Platte Live In Amsterdam zu hören. Es hat echt Spaß gemacht, ihn dabei zu haben.

 

Kenny Wayne Shepherd als Studiogast bei Mr. Trout © Marie Trout

Steht Jon schon immer auf den Blues?
Nein. Er hat schon als Kind Gitarre gespielt, allerdings eher Zeug wie die Ramones und anderen Punkrock. Außerdem hat er sich viel mit Electronic Dance Music beschäftigt. Was ich aber wunderbar finde: Als ich krank wurde und es so aussah, als würde ich nicht mehr lange leben, wuchs in ihm das Bedürfnis, meine Musik weiterzuführen. Deshalb hat er sich damals selbst beigebracht, den Blues und Soli zu spielen. Das ist erst vier Jahre her, und ich finde, er macht das verdammt gut.

 

Wie geht es dir denn gesundheitlich dieser Tage?

Ich fühle mich großartig. Ich bin in der besten Phase meines Lebens. Ich bin ein medizinisches Wunder, ein Wunder Gottes. Vor allem spiele ich besser als je zuvor, finde ich. Das sind die besten Jahre meines Lebens, hier und jetzt.

 

Hat deine Erkrankung, eine schwere Leberzirrhose, deine Sicht auf das Leben und deine Kunst verändert?
Natürlich. Immens! Durch eine solche Erfahrung lernt man zu schätzen, auf der Erde zu sein. Die Perspektive verschiebt sich: Ich bin erfüllt von Dankbarkeit und Freude. Als ich 2014 aus dem Krankenhaus entlassen wurde, konnte ich gar nicht mehr spielen. Ich musste von vorne anfangen. Es bringt mir große Freude, wieder musizieren, singen und komponieren zu können. Ich habe mehr Spaß an der Musik als je zuvor. Gitarrenfreaks können es vielleicht nachvollziehen: Als ich im Krankenhaus lag, habe ich für fast zwei Jahre kein Instrument angefasst. Danach musste ich neu lernen, weil ich einfach nicht mehr wusste, wie es geht. Mein Gehirn war in Mitleidenschaft gezogen worden. Musikalisch denke ich heute anders. Es lässt schwer beschreiben, aber ich versuche es mal: Früher habe ich linear gedacht, wenn ich Soli spielen, jetzt eher in Mustern und Formen. In gewisser Weise fühle ich mich, als wäre ich als Solist neu geboren worden. Ich habe ein anderes Konzept von und für Soli im Kopf.

 

Es ist schwer sich in deine Lage hineinzuversetzen: Jemand, der sein ganzes Leben Gitarre spielt, kann das plötzlich nicht mehr. Das muss sich fürchterlich anfühlen. Kam das zurück, sobald du wieder eine Klampfe in die Hand genommen hast?

Ich habe mir damals Videos von meinen Shows angeguckt – und zu meiner Frau gesagt, dass ich nicht glauben kann, dass ich zu sowas jemals in der Lage war. Ich wusste schlicht nicht mehr, wie es geht. Also musste ich fünf oder sechs Stunden am Tag üben, jeden Tag, ein Jahr lang. Und so langsam kam es zurück… Als ich zum ersten Mal wieder einen Barre-Akkorde greifen konnte, sind wir durch das Wohnzimmer getanzt! Ich habe dann ein paar Skalen gelernt, wie man Bendings macht und so weiter, Schritt für Schritt. Ende August 2014 bin ich aus dem Krankenhaus entlassen worden. Das erste Mal, dass ich vor anderen Leuten eine Gitarre in die Hand genommen habe, war an Silvester. Da habe ich mit meinen Kids zwei Songs in unserer Einfahrt für die Nachbarn gespielt. Ich konnte sogar solieren und singen, aber nach zwei Songs war ich fertig. Es hat noch ein weiteres halbes Jahr gedauert, bis ich an richtige Auftritte mit einer Band denken konnte. Getourt bin ich erst wieder September. Alles in allem habe ich also anderthalb Jahre gebraucht, um wieder eine 90-Minuten-Show spielen zu können.


Info: Das neue Walter-Trout-Album „We’re All In This Together“ (Mascot) steht bereits seit dem 1. September in den Läden und kann u.a. hier bestellt werden. Trout ist zurzeit auf Tour, die Daten stehen hier.


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