Home » Blog » Eckhard Beste im Interview mit Music Store TV

Eckhard Beste im Interview mit Music Store TV

Gepostet in Blog 0

Auch 2016 waren wir mit einem Stand auf der Tonmeistertagung in Köln vertreten, einer Fachtagung für Audioprofis, Produzenten, Künstler, Hersteller, Ausrüster, Entwickler und Wissenschaftler.

Nicht nur die ARD ZDF Medienakademie fragte uns dort nach einem Interview mit unserem Geschäftsführer Eckhard Beste – auch MusicStoreTV interessierte sich für unser Know-How in Sachen Gehörschutz.

Hallo, liebe MusicStoreTV-Zuschauer, wir wollen uns heute auf der Tonmeistertagung einem wichtigen Thema zuwenden und zwar dem Gehörschutz. Wir haben hier den richtigen Ansprechpartner dafür. Das ist der Eckhard. Kannst du mich hören?

Schwer, schwer. Das ist ein spaßiger Einstieg, aber ich will mal erzählen, was ich damit vermitteln kann. Ich höre jetzt wie jemand der 85 ist. Und für den ist charakteristisch, dass sich alles etwas dumpfer anhört. Die Höhen sind weg, es ist insgesamt leiser. Es rauscht vielleicht auch ein bisschen in den Ohren. Das Verstehen fällt schwerer. Ich nehme das jetzt mal ab, weil mich das auch irritiert. Ganz so schlecht höre ich dann doch noch nicht.

Das glaube ich gerne!

Und damit habe ich auch gleich einen Grund genannt, wodurch Ohren schlechter werden: das Alter. Ich bin ein bisschen älter als du – ich höre auch wie ein 60-jähriger, das merke ich gelegentlich. Als Musiker müsste ich mir jetzt nicht vorwerfen lassen, dass die Ohren kaputtgegangen sind, weil ich Musik gemacht habe – sie sind einfach mit dem Alter anders geworden.

Aber trotzdem kann und sollte man seine Ohren in jungen Jahren schützen, weil sie nicht nur durch das Alter schlechter werden.

Grundsätzlich: durch Lärm. Weiß jeder, ist profan. Auch Musik ist ‚Lärm‘ in dem Sinne, dass sie Arbeit und Belastung für die Ohren ist. Und wenn das zu viel ist, dann reißt die Achilles-Sehne, oder der Knochen bricht, oder das Ohr geht irgendwie kaputt. Spezifisch heißt das also: Wenn es über längere Zeiträume zu laut ist, oder plötzlich sehr laut – impulsiv – wie beim Schlagzeug: Rim-Shot, Becken, Crash. Explosionen, auf die ich nicht vorbereitet bin. Wenn ich als Gitarrist beispielweise danebenstehe und noch mein Instrument stimme, aber der Drummer es nicht mehr aushält und sagt: ‚Junge, jetzt geht es aber los!‘ [Eckhard ahmt einen Anschlag nach] dann kriege ich das vollen Knall auf die Ohren und ich merke sofort: In meinen Ohren ist etwas passiert. Und was ist passiert? Der Stapediusreflex hat das Trommelfell strammgezogen, damit die Energie ein bisschen abgefangen wird. Also: Hohe Lautstärke und plötzliche, hohe Intensität sind grundsätzlich gefährlich für die Ohren. Was machen wir hier auf der Tonmeistertagung? Ich spreche über das Thema und die verschiedenen Möglichkeiten des Gehörschutzes – auch ein Thema für euch im Store, ihr verkauft ja Produkte.

Das Bewusstsein bei den Musikern ist ja da: ‚Ich muss meine Ohren schützen!‘ Aber ganz im Ernst: Es kennt sich ja keiner mit der Thematik aus – darum sind wir bei dir.

Es gibt zwei grundsätzliche Probleme. Das eine ist ein anatomisches, und das andere ist ein physikalisches in gewisser Weise. [Eckhard greift in eine Box, die auf dem Tisch steht und holt zwei Abdrücke eines Gehörgangs hervor.] Jetzt sagt man als Hersteller von Gehörschutz oder als Anbieter von Standard-In-Ear-Hörern: Wir haben Ohrpassteile, die passen in 80% aller Ohren. Aber wenn sie in meine Ohren nicht reinpassen, sind mir die anderen 80% auch egal. Das heißt man muss letztendlich – und das machen die Anbieter ja auch – ein Set mit Anpassteilen herausgeben, beim Gehörschutz in verschiedenen Größen, sodass man selber ausprobieren kann, wie man es passend kriegt. Insofern kriegt man es meistens irgendwie hin. Es bleiben Problemfälle, meistens aus anatomischen Gründen, und es bleiben andere Problemfälle – ich nehme jetzt als Beispiel mal einen Gitarristen: Gitarristen und Gehörschutz ist so wie jemand, der keinen Sex mit Präsa möchte. Der Gitarrist will nichts zwischen sich und seinem Verstärker, der will es einfach so verzerrt haben, wie es da rauskommt.

Ist aber nicht besonders schlau.

Es kann dumm sein, heißt aber nicht notwendigerweise, dass der sich die Ohren kaputtmacht. Wir sind auch unterschiedlich lärmresistent. Den einen packt es mehr, den anderen weniger. Wir haben auch alle ein Gefühl dafür, was vielleicht zu viel sein könnte und dieses Gefühl kann man nicht immer am dB-Messgerät abmessen.

Was kann ich denn jetzt machen als Musiker, wenn ich mein Gehör schützen möchte? Gehe ich einfach in einen Music Store und habe da eine Riesenauswahl? Da ist es natürlich schwierig herauszufinden, was das richtige für mich ist.

Das ist ein Problem, an dem wir arbeiten. Ich sag jetzt mal spontan: Wenn ich so eine Anpasslehre hätte [hält einen Kugelschreiber hoch], und ich kann es bis zu einem bestimmten Punkt einschieben [schiebt sich den Kugelschreiber ins Ohr] – dann kriege ich eine Vorstellung davon, ob der Gehörgang eher klein ist, oder ob er größer ist. Diese Standard-Tannenbäumchen gibt es in verschiedenen Größen [zeigt auf ein Produkt in der Hearsafe-Vitrine] und dann kann ich schon mal ein bisschen Orientierung finden. Ihr könnt nicht einfach jede Packung aufmachen und der Kunde kann sie alle durchprobieren. Aber diese Idee können wir mit euch vielleicht mal durcharbeiten. In den Abteilungen laufen ja auch die Mitarbeiter mit angepasstem Gehörschutz rum. Da können wir ja mal eine Schulung machen, um es differenzierter darzustellen oder einen Servicepunkt einrichten. Ihr seid ein großes Haus mit vielen Abteilungen.

Das könnte ich mir gut vorstellen, dass man einen Experten im Haus hat, der sich um das wichtige Thema kümmert, weil es ja alle Arten von Musikern angeht – es ist ja nicht nur der Gitarrist oder der Schlagzeuger. Auch alle anderen haben immer diese akustische Belastung.

Manche müssen ja auch, weil sie angestellt, berufstätig oder Orchestermusiker sind – wir haben gerade einen Kollegen vom WDR hier, die Orchester haben wir auch alle in der Betreuung. Das heißt, da muss zum Teil Gehörschutz am Arbeitsplatz getragen werden. Die Herausforderung, eine Lösung für den Orchestermusiker zu finden, ist da noch ein bisschen schwieriger, in dieser klassischen Schiene, aber auch dafür gibt es Lösungsansätze.

Eine Frage noch, die sich sicher auch viele Kunden stellen: Wann greift man denn eher zu diesen kleinen ‚Tannenbäumchen‘, die eher universell sind, und wann sagt man sich: ‚Es ist besser für mich, wenn ich mir ein spezielles Formstück für mein Ohr machen lasse‘? Ist das nur eine reine Kostenfrage?

Nein. Zunächst einmal ist nachvollziehbar: Solange ein Gehörgang wächst, werde ich eher hingehen und ein Standardprodukt nehmen und warten bis der Gehörgang ausgewachsen ist. Bei Mädels mit 17, bei Jungs mit 18. Wenn es darauf ankommt, dass ich immer eine gleichbleibende aufrufbare Dämpfung habe, also praktisch ein Pre-Set. Ich will also das System nicht neu einstellen, sondern ich will einen Gehörschutz haben, der wenn ich ihn einsetze, immer gleich wirkt. Bei den Maßanfertigungen ist das der Fall. Wenn ich den Standardstöpsel reintue, dann sitzt er mal mehr so und mal mehr so. Ist bei In-Ear-Hörern genau dasselbe. Mal habe ich Klang, mal habe ich weniger klang,

Das kennt jeder, der es selber mal ausprobiert hat: Wenn du es nur ein bisschen bewegst, ändert sich der ganze Frequenzgang und alles.

Das ist ein wichtiges Kriterium. Und dann natürlich, wenn es anatomisch nicht geht. Ich habe hier dieses kleine Ohr [greift wieder in die Box auf dem Tisch und holt den Abdruck heraus], da kann ich nichts anderes machen. Wenn es jetzt ein junger Schlagzeuger ist, der engagiert was macht und erst zwölf ist, dann ist das so. Dann bleibt dort auch die Maßanfertigung als Lösung. Grundsätzlich, wenn ich das noch sagen darf, gehen Ohren nicht so schnell kaputt. Es stimmt nicht, wenn gemeinhin durch die Medien immer wiederholt wird, dass sich die jungen Leute die Ohren kaputtmachen mit Diskothek, Walkman und Konzertbesuchen. Es stimmt so nicht. Es stimmt auch nicht, dass die Orchestermusiker alle taub werden müssen, weil es so laut ist. Orchestermusiker hören auch nicht besser oder schlechter als die Normalbevölkerung. Was nimmt man im Zweifelsfall? Das, was ich gerade habe. Kleine Kinder wissen das noch. Wenn es denen irgendwo zu laut ist, im Kindergarten oder wenn sie von den Eltern mal mitgenommen werden, dann machen die so [hält sich die Hände über die Ohren]. Warum machen wir das nicht, wenn wir irgendwo sind? Warum vergessen wir das?

Vielleicht sind sich die Leute zu fein dafür!

Wenn sie ein bisschen älter wären, hieße es: ‚Komm, bleib mal an meiner Hand, ist ja nicht so schlimm, wir gehen auch gleich weg, damit du mir nicht verloren gehst‘. Und schon ist ein Ohr wieder auf und wir verlieren dieses instinkthafte verhalten. Wenn ich gar nichts anderes dabeihabe, habe ich vielleicht ein Tempo dabei oder einen Zigarettenfilter…

Irgendetwas in die Ohren stecken ist besser als gar kein Schutz.

Ja. Oder vielleicht kann ich doch mal weggehen, wenn ich das Gefühl habe: ‚Meine Güte, ich fühle mich heute nicht so, heute ist nicht unbedingt der Tag, an dem ich mich direkt vor die Box stellen sollte, oder so wie wir das jetzt momentan im Club machen. Nee, ich glaube ich gehe mal ein bisschen weiter weg.‘ Das ist auch Gehörschutz. Wichtig ist auch: Wenn ich auf die Ohren gekriegt habe, wenn es mal sehr laut war, was ich dann vielleicht auch merke – ich komme heraus und ich habe so ein dumpfes Gefühl: Belastung, Entlastung. Wenn ich schwer gearbeitet habe, muss das Ohr auch die Möglichkeit haben, sich wieder zu erholen.

Das gilt genau wie bei jeder anderen körperlichen Belastung.

Ja. Und wenn ich schwer arbeite, dann muss ich auch ordentlich Essen und Trinken. Und dann gibt es noch etwas, was manche Musiker – aber nicht nur Musiker – nicht gern hören: Es ist eher förderlich, nicht zu rauchen. Aber das ist bei jedem Leistungssport so. Wenn also zu meinem musikalischen Tun gehört, dass es sehr laut ist, dass der Körper also diese Arbeit machen muss, dann ist es auch gut, wenn die Versorgung der Gefäßstrukturen nicht auch noch durch das Rauchen beeinträchtigt wird. Es ist zusätzlicher Stress. Jetzt habe ich so viel erzählt, aber das hat mir richtig Spaß gemacht!

Das freut mich sehr, mir hat es auch Spaß gemacht und hoffentlich können unsere Zuschauer etwas an Informationen mitnehmen. Herzlichen Dank, Eckhard, für die Zeit die du dir genommen hast und viel Erfolg dir noch auf der Tonmeistertagung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.